Widerruf von Versicherungen und Finanzierungen

Wer einen Kreditvertrag kündigen, aus einer Lebens- oder Rentenversicherung aussteigen oder eine Immobilienfinanzierung vor Ablauf umschulden möchte, der stößt auf vielfache und vielfältige Probleme. Eigentlich ist es doch eine ganz einfache Sache: Man kündigt und bekommt das eingezahlte Geld mit einer angemessenen Verzinsung zurück. Aber: Ganz so einfach geht das nicht. Entweder verlangen Banken horrende Vorfälligkeitsentscheidungen oder Versicherungsunternehmen berufen sich auf Vertragsklauseln und Berechnungen von Widerrufsfristen, die aber nur auf den ersten Blick rechtens sind und einer juristischen Prüfung selten standhalten. Mit dem Widerruf eines Vertrages kann eine hohe Vorfälligkeitsentschädigung vermieden werden. Dies ist vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Verbraucherrechts aktuell der beste Weg. Der Bundesgerichtshof hat 2014 einige Entscheidungen zum Thema Widerruf gefällt und dabei in mehreren Fällen sehr verbraucherfreundliche Urteile gesprochen.

So können z.B. Lebensversicherungen die von Juli 1994 bis Dezember 2007 abgeschlossen wurden auf Basis dieser aktuellen Rechtsprechung widerrufen werden. Rechtsanwalt Arne Podewils von mzs Rechtsanwälte aus Düsseldorf: “In vielen Fällen kann davon ausgegangen werden, dass die in dem Zeitraum von Juli 1994 bis Dezember 2007 abgeschlossenen Policen bezüglich der Widerspruchsmöglichkeiten zumindest gegen deutsches Recht verstoßen und daher in einem einfachen Verfahren widerrufbar sind.

Viel diskutiert wird auch der mögliche Widerruf von Immobilienfinanzierungen, ganz besonders nachdem sich in sehr vielen Fällen von Finanzierungen durch die ING DiBa glasklare Widerrufsmöglichkeiten ergeben haben. Podewils, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht: ”Es macht auf jeden Fall Sinn, diese Widerrufsmöglichkeiten prüfen zu lassen. Dies gilt vor allem in der heutigen Zeit von historisch niedrigen Zinsen.”